Der Zweithund – Doppeltes Glück oder tierisch viel Arbeit?

Bulldogge und Mops

Diese Pfoten – bezaubernd. Diese Schnauze – zum Knutschen. Diese Augen – zum Dahinschmelzen. Ich möchte mehr davon! 

Fast jeder Hundebesitzer wird sich in seinem Leben mindestens einmal die Frage stellen: Sollte ich mir einen zweiten Hund zulegen? Die Beweggründe für diesen Wunsch sind dabei ganz unterschiedlich. Die tiefe Zuneigung zu Hunden und guten Erfahrungen mit dem ersten Vierbeiner bilden meist die Urquelle für den Gedankenfluss rund um den Zweithund. Doch die Entscheidung fällt den meisten Hundehaltern sehr schwer – es gibt so viel zu bedenken: Was ist, wenn ich der Herausforderung nicht gewachsen bin? Was ist, wenn mein Hund der Herausforderung nicht gewachsen ist? 

Das Bewusstsein, eine weitere große Verantwortung zu übernehmen ist der erste und wichtigste Schritt auf dem Weg zum zweiten Hund. Wir von William Walker wollen dich bei deiner Entscheidung unterstützen. Dafür haben wir die Zweithund-Liste erstellt. Hier sind diverse zu berücksichtigende Einflussfaktoren zusammengefasst, erklärt und mit ersten Lösungsvorschlägen angereichert. 

  1. Reicht der Platz in meiner Wohnung/Haus aus, damit ein zweiter Hund...:
    1. einen ausreichend großen Schlafplatz hat? Hunde benötigen ihr ganz eigenes Nest zum Kuscheln und Ausstrecken, damit sie zu erholten und ausgeglichenen Gefährten werden können – denn Rivalität und Neid führen zu Stress und Anspannung unter den Artgenossen.
    2. eine Futterstelle mit genügend Abstand hat? Die Verteidigung der Nahrung ist ein Urinstinkt eines jeden Vierbeiners – auch wenn dessen Ausprägung individuell variiert. Dennoch gilt: nur weil mein Hund einen Instinkt nicht auslebt, heißt es nicht, dass er nicht da ist. Das Fressen in einer Hab-Acht-Stellung kann zum Schlingen der Nahrung führen und ist nicht nur stressig sondern auch schlecht für die Gesundheit des Vierbeiners. Türen, Ecken, Nischen oder auch Möbel können hierbei wunderbar genutzt werden, um zusätzlich ein Gefühl von Abstand und Privatsphäre zu erzeugen. 
    3. ausreichend Bewegungsfreiheit hat? Jeder Hundebesitzer erlebt manchmal Tage, an denen das tägliche Spazierengehen mit dem Hund zu kurz kommt. Und das darf auch mal sein. Hunde können auch mal einen Tag auf dem Sofa verbringen, solange dies nicht die Regel ist. Schließlich wollen die meisten Vierbeiner bei Weltuntergangs-Wetter auch lieber warm und trocken bleiben. Für solche Situationen gibt es eine Vielzahl von Indoor-Beschäftigungen für die Fellnasen. Beide Hunde müssen genug Platz haben, um sich hierbei frei zu bewegen und sich nicht auf die Pfoten zu treten.
    4. einen Rückzugsort hat? Es ist wichtig, dass die Hunde die Möglichkeit haben, einander aus dem Weg zu gehen. Für die richtige Sozialisation von Hunden ist es notwendig, dass die Tiere die Reaktionen ihres Gegenübers kennen und einzuschätzen lernen. Gerade junge Hunde können die Grenzen ihrer Spielgefährten noch nicht immer richtig deuten oder werden gar frech und übermütig. Damit es nicht richtig knallt, müssen Hunde die Chance haben, Schutz und Ruhe durch räumliche Trennung zu finden.
  2. Ist meine Umgebung für einen zweiten Hund geeignet?
    1. Es sollte unbedingt vorab geklärt werden, ob der Vermieter/Eigentümer deiner Mietwohnung/deines Haus die Haltung eines zweiten Hundes gestattet. Die meisten Mieter fragen heutzutage nicht einmal mehr ihren Vermieter nach einer Erlaubnis, womit sie ein großes Risiko eingehen. EIN Hund kann möglicherweise verheimlicht werden, doch bei zwei Hunden wird das schon deutlich schwieriger. Denn: nicht jeder mag Hunde und hat Verständnis für Geräusche oder Pfotenabdrücke im Treppenflur. Im schlimmsten Fall droht die Kündigung und Räumungsklage. Aber keine Sorge, auch unter den Vermietern gibt es viele Hundeliebhaber. Wenn die Erfahrungen mit dem ersten Hund für alle Parteien gut waren, steht dem zweiten Hundeglück wohl nichts mehr im Weg.
    2. Wie gut sind die Gassi-Gegebenheiten in deiner Umgebung? Denn nur weil zwei Hunde im selben Haushalt wohnen heißt das nicht, dass sich ihre Blase und Verdauung aufeinander abstimmen. Gerade, wenn man als Zweithund einen Welpen ausgewählt hat, kann die Zeit bis zur Stubenreinheit im 5ten Stock mit einiger Entfernung zur nächsten Grünfläche zur Tortur werden. Ein kleiner grüner Austritt, ein Garten oder eine grüne Umgebung lösen dieses Problem gänzlich. Kein Garten, sollte aber kein Ausschlusskriterium sein - wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.
  3. Bin ich für einen zweiten Hund geeignet?
    1. Ein zweiter Hund kostet Zeit. Vor allem zu Beginn, in der Eingewöhnungs-und Sozialisationsphase, braucht der vierbeinige Familienzuwachs besonders viel Aufmerksamkeit. Bei einem Welpen muss man von einem zusätzlichen Fulltime-Job ausgehen. Während man kleine Schwachstellen, wie das Fehlen eines Gartens, durch zusätzliche Mühe ausgleichen kann, gibt es für Zeit keine Alternative. Viel davon und die Lust diese mit Hunden zu verbringen sind super Basis-Voraussetzungen für die Haltung von zwei oder auch mehr Vierbeinern.
    2. Hundeerziehung ist das A und O für ein gutes Miteinander. Der Mensch ist dabei noch mehr gefordert als sein Vierbeiner. Bei zwei Hunden steigen die Ablenkungsmöglichkeiten und die Hunde animieren sich gegenseitig. Dabei das Gehorsam zweier Hunde zu wahren, kostet nicht nur Geduld und ist viel Arbeit, sondern es erfordert auch Durchsetzungsvermögen. Wenn dir dein Hund auf der Nase rumtanzt, wird auch ein zweiter mittanzen.
    3. Die Kosten für die Hundehaltung verdoppeln sich mit einem zweiten Hund. Es muss nicht nur doppelt für Futter gesorgt werden, auch die Tierarztkosten steigen. Ein zweiter Hund fällt ebenfalls unter die Hundesteuer, und es sollte eine weitere Hundehaftpflicht-Versicherung abgeschlossen werden. Es muss immer das Risiko mitbedacht werden, dass nicht alle Hunde über den gleichen Gesundheitszustand verfügen. Auch Notfälle sollte man sich finanziell leisten können. Unterstützend gibt es Hundekrankenversicherungen.
  4. Ist mein Hund bereit für tierischen Familienzuwachs?
    1. Dein Hund sollte die Grundkommandos beherrschen. Mangelt es bei deiner Fellnase noch an Gehorsam sollte erst einmal zusätzliche Zeit in dessen Erziehung investiert werden, bevor ein zweiter Hund es ihm gleich tun kann. Ist dein Vierbeiner jedoch gut erzogen, kann er sogar eine echte Hilfe sein und als Vorbild bei der Ausbildung des neuen Mitbewohners mitwirken. 
    2. Dein Hund sollte gut mit anderen Hunden auskommen. Generell gilt: Je besser und gelassener sich dein Hund im sozialen Umgang mit anderen Artgenossen zeigt, desto wahrscheinlicher gelingt die Zusammenführung mit einem neuen Mitbewohner. Damit die Verteidigung des Reviers der Entwicklung einer großen Freundschaft nicht im Wege steht, sollte das erste Kennenlernen auf neutralem Boden stattfinden. Anfängliche Rivalitäten, Neid oder Unstimmigkeiten zwischen den Vierbeinern legen sich meist mit der Zeit, und die Tiere gewöhnen sich aneinander.
    3. Finde einen Hund, der zu deiner Fellnase passt. Die Verbindung zwischen zwei Hunden kann durch gezielte Geschlechter- und Rassenkombinationen begünstigt werden. So wird es in der Zusammenführung von einer Hündin mit einem Rüden in den meisten Fällen weniger Rivalität und Dominanzverhalten geben. Jedoch sollte man hierbei einige Vorsichtsmaßnahmen treffen, sonst wird aus zwei Hunden mal ganz schnell ein Wurf Welpen. Versucht man zwei unkastrierte Rüden unter einem Dach zu halten, muss man davon ausgehen, dass es mindestens einmal zum Machtkampf kommt. Hunde aus derselben Rasse haben oft ähnliche Eigenschaften und Verhaltensmuster – sie verstehen sich in der Regel besonders gut. Sympathien und Antipathien können jedoch überall auftreten und manchmal geben die unkonventionellsten Kombis auch die schönsten Pärchen ab. Dennoch lohnt es sich immer einen Blick auf die FCI-Rassenstandards zu werfen. Fällt die Zweithund-Wahl auf einen Vierbeiner aus dem Tierheim, kann das Wissen über die Rasse oder die verschiedenen Rasse-Anteile dabei helfen, den Hund besser zu verstehen und sich auf ein Zusammenleben mit ihm einzustellen.
    4. Dein Hund sollte das Erwachsenenalter erreicht haben. Ist er selbst noch ein Welpe oder gar ein rebellierendes Pubertier, solltest du mit der Anschaffung eines zweiten Hundes noch etwas warten. Dein Hund braucht in diesem Lebensabschnitt deine volle Aufmerksamkeit. Ist dein Vierbeiner bereits ein Senior, kann ein zweiter Hund, vor allem ein Welpe, ihm einen zweiten Frühling bescheren. Alte Hunde können sich jedoch auch häufig in ihrer Ruhe gestört fühlen. Generell gilt: Ist dein Hund trotz fortgeschrittenen Alters noch gesund und fit und genießt das Spiel mit Artgenossen? Dann steht dem Familienzuwachs altersbedingt nichts im Weg.
Doppeltes Glück oder tierisch viel Arbeit? Die Antwort darauf heißt wohl: beides! Denn nur mit viel Arbeit, Zeit und Herz kann man auch das doppelte Glück bekommen. 

    Von Louisa Knoll

    1 Kommentar

    Spannend!! Danke für diesen tollen Text.

    Meltem Keklikci 25 Mai 2020

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