Ungleiche Freunde - Wenn Hund und Katze die besten Freunde sind

William Walker Katze und Hund

Manchmal braucht es nur eine Gemeinsamkeit, die es schafft, all die großen und so offensichtlichen Unterschiede zwischen zwei Individuen in den Schatten zu stellen. Bei uns Menschen sind es oft gemeinsame Interessen, Leidenschaften, Erfahrungen oder auch Sorgen, die uns einander näher bringen und über Altersunterschiede und andere Grenzen hinweg tiefe Freundschaften entstehen lassen. Plötzlich merkt man, dass das Alter doch nur eine Zahl ist und dass Äußerlichkeiten, körperliche Unterschiede oder Geschlechterdifferenzen völlig belanglos sind und aus zwei Fremden ungleiche Freunde werden können.

Freundschaften in der Tierwelt

Diese bunten Verbindungen gibt es nicht nur unter uns Menschen, sondern auch in der vielfältigen Welt der Tiere. Denn auch viele unserer tierischen Erdbewohner sind absolut soziale Wesen und sehnen sich nach Nähe und Zuneigung - auch gerne artenübergreifend. Sympathien, Antipathien, auch im Tierreich geht es bekanntermaßen nicht immer harmonisch zu. Einigen tierischen Konstellationen eilt sogar ein schlechter Ruf voraus - demnach soll man Hunde und Katzen lieber nicht gemeinsam unter einem Dach halten. Wir von William Walker sind da anderer Meinung und wollen euch heute von einer dieser ungleichen und doch unglaublich innigen Freundschaften erzählen. Von Kater Harry und seinen großen Hunde-Freunden Mio und Cara.

Wie es alles begann - die erste Begegnung der ungleichen Freunde

Es ist schon gut 19 Jahre her, als sich die Wege der drei Freunde zum ersten Mal kreuzten. Die Zukunft des kleinen namenlosen Katzenbabys war noch ungewiss, denn seine Besitzer wollten ihn nicht behalten. Sie setzten das kleine grau-weiße Kätzchen kurz vor den Sommerferien im Wald aus. Dort wanderte es herum - wie lange wissen wir nicht - bis es schließlich den Weg auf unser Grundstück fand. Zwischen dem verzweigten Geäst eines flachen Rhododendron-Busches sitzend beobachtete der Kleine die beiden Familien-Hunde, die vor dem Haus spielten. Doch Mio, der Rhodesian Ridgeback-Mischling und Sohn unserer Golden Retriever Hündin Cara, war ein absoluter Wachhund und merkte sofort, dass im Garten irgendwo noch ein Herzchen schlug. Er fand den kleinen Kater, beschnupperte ihn und blieb bei ihm, bis wir die beiden fanden.

Die Entstehung einer tierisch großen Liebe

Ich war damals gerade sechs Jahre alt und hatte mir schon immer eine Katze gewünscht. Vielleicht war es das Schicksal, das den kleinen Mann auf unser Grundstück getrieben hatte. Jedenfalls gehörte Kater Harry von diesem Tag an zu unserer Familie. Er wuchs mit unseren beiden Hunden Mio und Cara auf, adaptierte ihr Verhalten, klaute ihnen das Futter und versuchte, in der Luft nach ihren wedelnden Schwänze zu greifen. Er war eigentlich mehr Hund als Kater. Das ging so weit, dass Harry uns heimlich in den Wald folgte, wenn wir mit den Hunden spazieren gingen. Er verstand einfach nicht, warum er nicht dabei sein durfte. Besonders Fellnase Mio schloss den kleinen lustigen Kerl sofort ins Herz und die beiden entwickelten das schönste gemeinsame Morgenritual. Bei Tagesanbruch, wenn Harry aus dem Obergeschoss die Treppe herunter kam, begrüßten sich die zwei Freunde Nase an Nase, als würden sie sich ein kleines Küsschen verpassen. In all den Jahren, die sie gemeinsam verbrachten, hielten sie immer daran fest.

Loyalität zwischen Hund und Katze

Oft hört man Geschichten von Hunden und Katzen, die sich ein Körbchen teilen, kuscheln und sich gegenseitig die Ohren ablecken, doch so war es bei uns nie. Die Freundschaft der drei zeichnete sich eher durch eine ganz tiefe Loyalität zueinander aus. Sie wussten, dass sie zusammengehören und einander beschützen müssen. Als Harry sich vom kleinen Kitten zu einem richtig stattlichen und frechen Kater entwickelte, war der Ärger nicht weit. Er vermöbelte jede andere Katze in der Gegend und zog sich fast jede Form von Verletzung zu. Einmal erhängte er sich fast in einem schräg gestellten Fenster. Wenn er sich nicht gerade kloppte, legte er gerne Mäusekadaver in unsere Schuhe oder schrie nachts just-for-fun das ganze Haus zusammen. Ein wirklich aufgeweckter kleiner Kerl. Doch war er einmal zur Ruhe gekommen, liebte er es, bei seinen Kumpels zu sein und seine Lieblingsmenschen um sich zu haben. Oft dösten die drei Freunde den halben Tag zusammen in einem Raum oder erkundeten gemeinsam den Garten, sobald ein kleiner Sonnenstrahl durch die Wolkendecke drang.

Katzenkampf und die bellenden Beschützer

An einem frühen Sommermorgen hatte es sich Harry nach einem seiner nächtlichen Streifzüge durch die Nachbarschaft draußen auf unseren gepolsterten Gartenmöbeln gemütlich gemacht und holte eine Mütze voll Schlaf nach. Er bemerkte wohl nicht, dass ein fremder schwarzer Kater durch den Garten, direkt auf ihn zu schlich. Wie es für uns später schien, hatte der Eindringling Harry feige im Schlaf attackiert. Doch kaum hatte die Schlägerei angefangen, begannen unsere Hunde drinnen durch lautes Bellen Alarm zu schlagen. Wir kamen schnell die Treppe herunter gelaufen und schließlich hörten auch wir das Fauchen und das typische Geschrei einer Katzen-Keilerei. Harry schien sich mit aller Kraft zu wehren, doch er saß in einer aussichtslosen Verteidigungs-Position mit dem hinten geschlossenen Gartenstuhl im Rücken und vor ihm der fette, fremde Kater auf den Hinterbeinen mit ausgestreckten Vorderläufen, die Krallen weit ausgefahren. Ich riss die Tür auf und wurde fast von den beiden Hunden zu Boden gerissen. Denn Mio und Cara waren in einer Zehntelsekunde an mir vorbei zu dem Katzenknäuel gestürzt. Bereit, ihren besten Buddy zu verteidigen. Damit hatte der Angreifer nicht gerechnet. Von der Angst gepackt ließ er von Harry ab und rannte um sein Leben - die Hunde jagten wütend bellend hinter ihm her. Harry wusste, dass seine Bodyguards ab hier den Job erledigen würden. Während Mio dem flüchtenden Kater am Gartenzaun alle möglichen Drohungen hinterher bellte, schaute sich Harry triumphierend das Spektakel an. Leichtfüßig und mit erhobenem Schwanz sprang er vom Gartenstuhl, streckte sich und setzte sich an die Rasenkante, um seine zurückkehrenden Verteidiger mit einem Nasenkuss in Empfang zu nehmen. Wie zu erwarten, haben wir den vertriebenen schwarzen Kater nie wieder in der Nähe unseres Hauses gesehen! Harrys Status als “King of the Neighborhood” war für immer besiegelt.

Abschied nehmen und neue Freundschaften

Doch wie es im Leben leider so ist, kann man Zeit nicht konservieren. Etwa 10 Jahre später haben wir zuerst von Mio und kurz danach auch von Cara Abschied nehmen müssen. Das Leben eines Hundes ist einfach viel zu kurz. Harry verstand nicht, warum Mio morgens nicht mehr da war, um ihm einen Kuss zu geben. Er schien seine Kumpels zu vermissen, mied die traurig leeren Schlafplätze der beiden und zog sich mehr und mehr in die obere Etage zurück. Ich versuchte, die Lücke im Morgenritual zu füllen und er versuchte das Fehlen von Mio und Cara zu kompensieren. Nach einiger Zeit nahmen wir wieder Hunde in unsere Familie auf und auch Harry kam mit jedem Neuankömmling gut zurecht. Schließlich hatte er von Hunden nie etwas anderes als Freundlichkeit und Liebe erfahren. Doch so eine innige Verbindung, wie er sie zu Cara, aber vor allem zu Mio gehabt hatte, entstand zwischen den Tieren nie wieder. Harry hatte sein Herz nur einmal, beziehungsweise zweimal, verschenkt. Den neuen vierbeinigen Familienmitgliedern machte er ziemlich schnell klar, wer hier die tierischen Hosen im Haus anhatte und zwar nur er allein. Und das bis zu dem Tag, an dem wir unseren kleinen Chaoten, den verrücktesten und mutigsten Kater, Harry, schweren Herzens zur Regenbogenbrücke bringen mussten. 18 Jahre waren wie ein Wimpernschlag vergangen - erneut hieß es Lebewohl. Und ein Gedanke tröstete uns mehr als alles andere - wir waren sicher, dass am anderen Ende der Regenbogenbrücke seine besten Freunde Mio und Cara sitzen und ihn schwanzwedelnd und mit einem Nasenstupser in Empfang nehmen würden.

Habt ihr auch ungleiche Freunde als Haustiere? Erzählt uns unbedingt in den Kommentaren von euren lustigsten, emotionalsten und aufregendsten Erlebnissen dieser außergewöhnlichen Freundschaft.

 

Von Louisa Knoll

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